Neuer Hopfen, neues Bier?

Braumeister Marc Rauschmann, Credit: Braufactum

Braumeister Marc Rauschmann, Credit: Braufactum

Anton Lutz vom Hopfenforschungsinstitut in Hüll im bayerischen Landkreis Pfaffenhofen kennt keine Scheu vor ungewöhnlichen Aromen. Die neuen Zuchtstämme des Hopfenzüchters schmecken nach Beeren, Mandarinen oder nach Gletschereis-Bonbon. Bislang konnte sich Hopfen mit exotischen Aromen in Deutschland nicht durchsetzen. Doch der Trend zu vielfältigen Geschmacksrichtungen im Bier schwappt aus den USA zunehmend nach Europa. Auch in Deutschland werden die sogenannten Craftbiere populärer. Die aromatischen Hopfensorten sind nach Angaben des Geschäftsführenden Gesellschafters vom Hopfenhändler Joh. Barth und Sohn, Stephan Barth, zwar teilweise neue Züchtungen. Dennoch bewertet Barth die neuen Biere eher als eine Retrobewegung mit der Besinnung auf einen alten Wert: den Geschmack. Das Innovative dabei sei neben den neuen Züchtungen vor allem die Kombination von alten Braumethoden mit neuem Wissen, sagt Barth am Rande der Fachmesse Brau Beviale in Nürnberg.

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds lassen sich die neuen Hopfensorten gemäß dem Deutschen Reinheitsgebot brauen. “Wenn nur Zutaten wie Hopfen, Malz, Wasser und Hefe zum Einsatz kommen, was in Deutschland der Fall ist, entsprechen sie dem Reinheitsgebot”, sagt Marc-Oliver Huhnholz vom Brauer-Bund. Bestimmte Hopfensorten hätten von Natur aus deutlich wahrnehmbare Aromen, zum Beispiel grasige oder krautige Noten. Die Neuentwicklungen lehnten sich an Biere an, die in den USA bereits auf dem Markt seien.

An Hopfen werde seit jeher intensiv geforscht. “Hopfen ist anfällig etwa für Mehltau und Schädlinge, und so müssen regelmäßig neue Sorten gezüchtet werden, die dagegen resistent sind,” sagt Huhnholz. Mit Biermixgetränken, bei denen lediglich Zutaten wie Sirup oder Limonade für den fruchtigen Geschmack sorgten, dürften die jetzt auch zunehmend in Deutschland gebrauten Craftbiere nicht verglichen werden.
Huhnholz hat daher keine Angst, dass das Image des deutschen Biers leiden könnte. “Wir sehen das im Gegenteil als Bereicherung an, und die Verbraucher fragen das auch nach.” Die hiesigen Neuzüchtungen von Aromahopfen sorgten dafür, dass der Rohstoff nicht wie bisher importiert werden müsse.

Bier mit fruchtigen Untertönen ruft Skeptiker auf den Plan. Bier müsse nach Bier schmecken, heißt es in Bier-Foren im Internet. “Leute, die das sagen, sagen Bier und meinen Pils”, sagt Marc Rauschmann vom Edelbiervertrieb Braufactum. Er hat sich vorgenommen, Craftbiere in Deutschland zu etablieren. “Ich will zeigen, was man alles mit den Rohstoffen machen kann.”

Tradition sei nicht alles. “Kupferkessel und Backsteinwand – davon wird ein Bier nicht besser”, glaubt Rauschmann. “Wir haben uns von allen Vorgaben gelöst und wollten das brauen, was schmeckt.” Dass seine Biere dem Reinheitsgebot entsprechen, sei dabei keine Bedingung gewesen, habe sich aber durch die Zutaten ergeben.

Guido Walter

Erschienen in der Märkischen Oderzeitung