Trüffel im Garten

erschienen in: Der Spiegel

Eine Hamburger Künstlergruppe recycelt TV-Klassiker wie „Dalli Dalli“, „Der Kommissar“ und „Bitte melde dich“ zu absurden Collagen.

Es ist eine schlimme Nachricht, die TV-Held Günther Schramm mit stoischer Miene überbringt: „Ihr Mann wurde ermordet“ – „Ermordet?“ – „Ja, er wurde ermordet“ – „Ermordet?“ – „Ja, er wurde erschossen“ – „Wie ist denn das passiert?“ – „Er wurde erschossen“ – „Man hat ihn erschossen. Jemand hat vier- bis fünfmal auf ihn geschossen.“ Groteske Dialoge, zusammengeschnitten aus rund 70 Folgen des TV-Klassikers „Der Kommissar“. Sechs Minuten lang nichts anderes als Todesnachrichten, Betroffenheit, geheucheltes und echtes Entsetzen. Durch die Schnittechnik fügen sich die Szenen zu einem ganz neuen, bizarren Fall zusammen. „Todesboten“, so der Name des Kurzfilms, stammt aus der Werkstatt der vierköpfigen Hamburger Künstlergruppe REProducts. Seit einigen Monaten betreiben die Fernseh-Freaks stilsicher das Recycling von TV-Produkten des deutschen Nachkriegsfernsehens, die bei den heute um die 30jährigen als geniale Klassiker gelten.

„Bewältigung der Fernsehalpträume unserer Kindheit“ nennt Gruppen-Gründungsmitglied Stefan Eckel, 34, das Verfahren. Da ist zum Beispiel „Dalli Dalli“, Hans Rosenthals Quizshow mit dem unvergessenen Wabenstruktur-Bühnenbild. „Dalli“, der fünfminütige Videoclip von RE-Products, verdichtet die entscheidenden Momente der Show: „Wer soll die 5294 Mark bekommen?“ fragt Rosenthal – die Antwort: „Der bayerische Blindenhundverband“; darauf Rosenthal: „Wir haben uns erkundigt. In Bayern fehlen Blindenhunde.“ Noch sind die Schnipsel-Filme nur kleine Kunstwerke, die gelegentlich in Programmkinos vorgeführt werden.

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