Todesfreude

Dolph Lundgren und Silvester Stallone mit Fäusten in Sparringspostion. Rocky 3.2. So ein Foto malte ich mir für die Premiere des Actionthrillers “The Expendables” aus. Doch “Sly” und Dolph bahnten sich am hurtig ihren Weg durchs Foyer des Astoria Kinos am Berliner Kurfürstendamm. “Hello everybody” brummbasste Stallone dem Pressepulk zu, und eilte weiter. Im Kino selbst bot mir dann sein Anwalt – Typ Robert Duvall ohne Haare – ein Kaugummi mit Minzgeschmack an.

Zwei Plätze weiter saß ein älterer Herr, der an einen Sparkassendirektor aus dem Bergischen Land gemahnte. Als “Sly” zum ersten Mal auf der Leinwand tötete, flippte der Mann aus. Er beklaschte, bejohlte und bejuchzte nicht nur den Star, sondern fortan jeden Kill wie ein Wahnsinniger. Gatling Gun mäht Brigade nieder – Hohoho. Machete spießt Mann von hinten auf – Juchahee. Hubschrauber mit Schergen explodiert – Hahaha. Jason Statham fackelt Schwergen auf einem Bootssteg ab – Huhahaha. Natürlich verdrückt niemand, der halbwegs bei Verstand ist, bei Todesfällen in Actionfilmen einen Träne. Doch so eine ungehemmte, fröhliche Todesbegeisterung habe ich noch nie erlebt. Schallendes Lachen, Mund quasi den gesamten Film über offen, je mehr Gemetzel, je mehr Spaß. Nach dem Abspann wollte ich den Opa des Todes dazu befragen. Aber er war verschwunden. Ein bezahlter Profi-Lacher, der anwesende Journalisten beeindrucken sollte? Ein Geistergestörter? Ich werde es nie erfahren.