Das ist aus Kommissar Schimanskis Stammkneipe geworden

Schimanskis Stammkneipe “Zum Anker” Duisburg-Ruhrort. Ein Stadtteil, den heute alle mit einer fiktiven Figur aus dem “Tatort” verbinden. Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski. Niemand weiß das besser als Britta Gies, Pächterin des “Café Kaldi” in der König-Friedrich-Wilhelm-Straße 18 in Duisburg-Ruhrort. Die ehemalige Schifferkneipe “Zum Anker” war ein zentraler Drehort.

“Ich habe erst durch die Gäste erfahren, was ein Zauber da drin liegt”, sagt Gies. “Eines Tages kam der Krumme Karl rein, der Schiffer aus “Duisburg-Ruhrort”. Er hatte sogar Seiten vom Originaldrehbuch dabei”. Am 26. März 1981 drehte die Fernsehproduktionsgesellschaft Bavaria hier. Das Drehbuch weist den “Anker” als “ziemlich große Gaststätte” aus, mit Bildern von Kähnen der Stammgäste, Schiffsmodellen und Positionslaternen an den halbhoch getäfelten Wänden. Geblieben sind die halbhoch getäfelten Wände. “Ein paar Binnenschiffer kommen noch”, sagt Gies. Wie Michael, der das Schiff “Vertrauen” hat. “Der meinte mal, hier ist zuwenig Schiff drin, und hat uns eine Schiffsglocke geschenkt.”

Schimanskis Stammkneipe “Zum Anker”

Das ist eine Bildunterschrift.

Eine klingende Reminiszenz an eine Industrie-Epoche, die schon 1981 in den letzten Züge lag. Durch die Motorisierung der Schiffe änderte sich in Ruhrort seit den 70er Jahren alles. “Davor haben die Schiffer aufs Schleppen gewartet, da gab es über 100 Kneipen,” sagt Gies. Manfred “Manni” Kleinrahm hat die Zeit noch erlebt, als Ruhrort als das St. Pauli des Ruhrgebiets galt. Als im “Anker” noch ein Telefon auf den Tresen stand, durch das die Kapitäne Fahrtorder erhielten. Der 85-jährige ist Stammgast geblieben. Heute sitzt er wieder an jenem Tisch, an dem Schimanski und Thanner einst Muscheln vertilgten. Vom zweiten Schimanski-Tatort an war er bei allen Duisburg-Tatorten dabei. Als Götz Georges persönlicher Sicherheitschef. Kleinrahm kümmerte sich darum, wenn die Feuerwehr mal wieder ausrücken musste, um für den Schimanski-typischen Regenguss zu sorgen. Kleinrahm war auch für die mobile Telefonzelle verantwortlich, die im “Tatort” immer mal wieder auftaucht. Wie etwa auf dem Friedrichsplatz in Ruhrort, auf dem Schimanski “Bei Gina” seine erste Currywurst aß.

Schimanskis Stammkneipe "Zum Anker"An Samstagen, wenn die Stadtführerin Dagmar Dahmen von ihrer Tour zu den Drehorten der Schimanski-Tatorte zurückkommt, erzählt Kleinrahm den Gästen bei Pommes und Currywurst von den alten Zeiten. “Der Götz sagt immer, Duisburg, was ist aus dir geworden.“ Die Einkaufszone in der Innenstadt, alles austauschbar. “Der Blick auf den Hochofen 4, das war Duisburg”, sagt Kleinrahm. “Der ist weg. Und der Matenatunnel, in dem Götz immer seine Stunts gemacht hat, der ist gesperrt.” Stadtführerin Dahmen sieht es differenzierter. Norman Fosters Anfang der 90er Jahre umgesetzter Plan der Umgestaltung des Innenhafen Duisburg sei schon erfolgreich gewesen. Nur bei der Innenstadt sei man stecken geliehen. Wer sich City-Palais, Spielkasino oder Mercatorhalle ansieht, wird das bestätigen. Das auf einer Landzunge an der Mündung von Rhein und Ruhr gelegene Ruhrort ist von gläsernen Ungetümen bislang verschont geblieben. Man hat sich dörflichen Charme bewahrt. Mit dem Masterplan “Revitalisierung Ruhrort“ wollte Duisburg den Stadtteil als Kreativquartier neu erfinden. “Man kann nichts von oben diktieren”, meint Dahmen. Es käme aber durchaus vor, dass sich jemand in ein Ladenlokal verliebt und bleibt. Auswahl ist genug vorhanden.