Orte des Bösen, Teil 3

IMG_2011Der Tod im Tatort nahm seinen Weg von den Wohnzimmerverbrechen der 70er Jahre hin zu den Orten, die aus der Sicht des Bürgertums gefährlich sind. Niemand brachte diese Haltung besser auf den Punkt als Aktenzeichen XY-Moderator Eduard Zimmermann, der den Fall eines Mordes in der Sado-Maso-Szene mit folgenden Worten anmoderierte: “Meine Damen und Herren, der nächste Fall führt uns in eine Welt, die den meisten von uns unbekannt sein dürfte – die Welt der so genannten SM-Typen.” Verblüffend ist hier eine Analogie zwischen Tatort und Aktenzeichen XY. Sowohl in der Krimireihe als in der Ermittlersendung sind Diskotheken gefährlich. Vor allem der Weg von dort nach Hause. Der Haferkamp-Tatort “Wodka Bitter Lemon” (1975) trägt die Bitternis bereits im Titel: der Fabrikant Kornen nimmt an einem Abend ein fremdes Mädchen mit nach Hause. Es kam aus einer Diskothek und hatte den Bus verpasst. Zuhause geht er ins Badezimmer, um sich frisch zu machen. Als er zurückkommt, ist das Mädchen tot. In “Gefährliche Träume” (1979) wird in der Toilette einer Berliner Diskothek die Leiche eines jungen Mannes aufgefunden – Drogentod durch eine Überdosis von Heroin. 1998 ermitteln die Berliner Kommissare Roiter und Zorowski den Todesfall eines irischen Bauarbeiters, der zuvor in einem Techno-Club eine Schlägerei angezettelt hatte. In “Totentanz” (2002) bricht Jenny Hellwig auf dem Dance-Floor eines Clubs in München zusammen und stirbt. Die Disco ist böse – und die Nähe zum Rotlichtmilieu augenfällig. Die Macher des Tatorts nutzen es als Hintergrundkulisse und Todesstätte gleichermaßen. Das gilt nicht nur für die Hamburger Kommissar Stoever und Brockmöller, die naturgemäß oft im St. Pauli-Milieu ermitteln. Schimanski und Thanner klären in “Spielverderber” 1989 den Mord an einer Dirne auf, die einen ihrer Freier erpresst hat. Ihre Münchener Kollegen Batic und Leitmayr bekommen es 1999 in “Norbert” mit einer erfolgreichen Schwimmerin zu tun, die nur mit Dessous bekleidet tot aufgefunden wird. Ist es ein Zufall, dass die Wohnung des Opfers sich direkt neben einer Tabledance Bar befindet? Das Foto oben stammt aus einer Ausstellung in München. Eine gewisse Anspielung auf “die Welt der so genannten SM-Typen” hat der Künstler wohl eingeplant.