Künstlerische Differenzen

Bildschirmfoto 2013-02-26 um 17.49.49Wer sich mit der Geschichte von sogenannten Dinosaurierbands wie Pink Floyd oder Deep Purple beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Umstand des häufigen Personalwechsels. Deep Purple, eine 1968 und dann nochmal 1984 gegründete Formation von Hardrockern, bestand nur wenige Jahre aus denselben Mitgliedern. Kenner nummerieren die diversen Besetzungen mit “Mk” als vorangestellter Bezeichnung. Neben dem genreüblichen Drogentod einzelner Bandmitglieder (hier: Tommy Bolin) wird Streit, der durch fortwährendes Touren aufeinanderhockender Musiker in den 70er Jahren entstand, immer wieder auf Grund für die häufigen Demissionen bei Deep Purple genannt. Ein deckungungsgleiches Bild findet sich auch bei Pink Floyd und zahlreichen anderen, “progressiven” Bands der 70er und 80er Jahre. Als Hauptgrund heißt es in der popkulturellen Presse stets: Künstlerische Differenzen. Bei Pink Floyd und Deep Purple wurde in der Tat heftig über künstlerische Richtungen gestritten, welche die Band nehmen sollte. Es ging darum, wessen Kompositionen aufs Album durften sowie um gesangliches oder sonstiges musikalisches Leistungsvermögen. Streit darüber war stets ein Grund, die Gruppe zu verlassen. Die Frage ist, wie es heute um die Kultur der künstlerischen Differenzen steht. Verlässt heute noch jemand eine Gruppe deswegen? Entweder habe ich das lange nicht mehr gehört, oder es macht kaum noch jemand. Sogar bei Deep Purple herrscht ja längst Frieden. Die alten Männer treten friedlich zusammen auf, sacken die Kohle ein und wollen im April sogar ein neues Album rausbringen. So weit, so langweilig. Oder werden sich Ian Gillan (1969–1973, 1984–1989, seit 1992), Steve Morse (seit 1994), Roger Glover (1969–1973, seit 1984), Don Airey (seit 2002) oder Ian Paice (seit 1968) womöglich nach dem Start des Album wegen künstlerischer Differenzen zerstreiten?

Grafik: Daniel Strüber