Konzepte

Die Multimedialität neuer Erzähl- und Gestaltungsformen im Journalismus, etwa auf dem iPad, verlangt Kooperation. Der autonome, allwissende Redakteur, dem Bildredakteure, Illustratoren und Fotografen im Nachgang zuarbeiten, gehört der Vergangenheit an. Der Wert jeder Idee misst sich heute in ihrer programmierbaren Umsetzungsoption. Die Krise zwingt Verlage, immer schneller innovative Medien zu entwickeln. Open Innovation bedeutet dabei, bewusst neue Fragen zu stellen und das kreative Potential aller Beteiligten zu nutzen – Redakteure, Graphiker, Programmierer. Der Abschied von der allenfalls durch Hierarchien begrenzte Gestaltungsmacht fällt vielen Redakteuren schwer. Verlust an Gestaltungsmacht bedeutet aber nicht Ohnmacht. Was Journalismus ist und was nicht, wissen qua Ausbildung nur Redakteure. Die Qualifizierung liegt im stetigen Wandel, dem sie sich stellen. Beharrung auf dem Althergebrachten führt in den Kulturpessimismus. In Michelangelo Antonionis Film „Beruf: Reporter“ (1975) spielt Jack Nicholson den angeödeten Reporter David Locke, der in der Wüste des Tschad aus Lebensfrust die Identität eines verstorbenen Waffenhändlers annimmt und am Ende erschossen wird. So muss es ja nicht kommen. Der Beruf: Reporter überlebt, aber nur durch Transformation.

Nachfolgend finden Sie einige Ideen, bei deren Zuschnitt auf Ihr Medium ich gern als Berater zur Seite stehe. Ich entwickele die Strategieplanung von Medien in gedruckter und elektronischer Form unter wirtschaftlichen und inhaltlichen Gesichtspunkten und koordiniere die Zusammenarbeit mit Experten aus meinem Netzwerk aus Fotografen, Designern, Bildredakteuren, Webdesignern und Illustratoren. Auf Wunsch stelle ich Teams projektbezogen zusammen und setze Editorials für Verlage, Corporate Publishers sowie Projekte für Agenturen und andere Unternehmen um. Lösungen, die Technologien wie das iPad, CMS-Systeme etc. nutzen, betreue ich mit der professionellen Erfahrung aus 15 Berufsjahren als Redakteur, Autor und Journalist.

Für die nachfolgenden Themen, Konzepte und Ideen stehe ich als Gastdozent, Berater oder Workshop-Leiter zur Verfügung. Anfragen von Universitäten, Stiftungen, Institutionen oder Unternehmen sind willkommen. Ich freue mich über Ihre Anfrage, gern erstelle ich Ihnen ein individuelles Angebot.



Disruptive Medien

Der Medienkrise zum Trotz scheuen Verlage vor disruptiven Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle bislang zurück. Die Bereitschaft, Konventionen zu brechen, ist kaum vorhanden. Für Jean-Marie Dru, CEO der Werbeagentur TBWA, ist die Entstehung von Kreativität ohne Konventionsbrüche dagegen undenkbar. Er belegt seinen Ansatz mit der Erkenntnis, dass einige der erfolgreichsten Unternehmen der Erde kreative Zerstörer sind. Apple erschütterte mit dem Mac die Konvention, dass sich Computer über Bits und Bytes anstatt über Design verkaufen. Das Unternehmen aus Cupertino erzeugt durch seine Produktserien Disruptionen in Folge: iPod, iTunes, iPhone, iPad. Disruptionen treten bei Technologiekonzernen gehäuft auf, doch sie beschränken sich nicht auf diese. Hier Beispiele für disruptive Geschäftsmodelle. Zu weiteren gebe ich gern Auskunft.

  • Nicht die Airline bestimmt den Ticketpreis, sondern der Kunde (Priceline.com)
  • Chinesen mögen chinesisches Essen im japanischen Look (Ajisen Corporation)
  • Mobile statt stationäre Hämodialyse (NxStage Medical)
  • Der Kiosk, in dem das Magazin vom Verkauf ausliegt, wird zu diesem (Monocle)
  • Hilfe bei Projektrealisierung statt Verkauf von Heimwerkerartikeln (Hornbach)

Wikipedia stream

Die unter dem Dach von Wikimedia zusammengefassten weltweiten Enzyklopädien generieren rund zehn Milliarden Page Impressions pro Monat. Wikipedias Erfolg resultiert aus dem Nutzwert seiner stetig wachsenden, von emsigen Helfern aufgebauten und gepflegten Datenbank des Wissens. So weit, so bekannt. Überlegungen, die aus der hohen Verweildauer auf den Portalen her resultieren, stellt aber bislang kaum jemand an. Dabei liefert die Architektur von Wikipedia, mit ihren formal aufeinander geschachtelten Ebenen wertvolle Erkenntnisse zur Gestaltung neuer Medien, gerade auf dem iPad. Die Möglichkeit, Wissen auf einer untergeordneten Ebene jederzeit erweitern zu können, rührt an Konventionen der Print-Magazingestaltung, welche Designer derzeit gern für grundsätzlich auf das iPad konvertierbar halten. Konsequent zuende gedacht, könnte ein Artikel auf der ersten Ebene aus einem Satz, gar einem Wort bestehen. In diesem an die Prinzipien von TV-Serien angelehnten Modell erzeugen Cliffhanger einen Zwang, jeweils noch eine Ebene tiefer zu gehen. Die Folge ist ein Strom in die Tiefe, ein Wikipedia stream. Nutzer-Kommentare, Facebook-Diskussionen oder Hinweise, die über Twitter kommen, schreiben die Geschichte fort oder liefern den Ausgangspunkt für eine neue.

Brief Coverage

Die klassische Reportage entsteht, indem ein Redakteur und ein Fotograf zusammen losziehen, nah an Menschen aufregende und sinnliche Einblicke gewinnen und diese professionell in Text und Bild einfließen lassen. Auch wenn dieses Arbeitsprinzip irgendwie nach gestern klingt, so ist es meist Garant für einzigartigen, hochqualitativen Journalismus. Warum lesen wir heute dann immer weniger Reportagen? Versetze ich mich in die Chefredakteursrolle, fallen mir diese Sätze ein: „Drei Tage weg? Und wer macht mir das Blatt zu?“ – „Und dann soll ich noch Spesen und Hotelrechnungen bezahlen?“ „Das kann man ja auch anfeaturen“ „Das ist zu lang, dass liest niemand.“ So unverdrossen die klassische Reportage an Journalistenschulen gelehrt wird, so regelmäßig scheitert ihre Anwendung in Redaktionen. Kommen wir den Bedenkenträgern also mit einer Brief Coverage entgegen. Die Reportage vor Ort dauert genau einen Tag. Recherchieren kann man ja im Vorfeld vom Redaktionsschreibtisch aus. So fallen weniger Spesen, und wenn überhaupt nur eine Hotelrechnung an. Naturgemäß begrenzt die Dauer die Eindrucksmenge. Aber das Ergebnis liest sich auch schneller.

Beruf: Reporter

Komplexe Reportagen brauchen natürlich weiterhin Zeit. Wenn das Thema ungewöhnlich, exklusiv und spannend ist, wird es sich am Ende trotzdem rechnen. Meine Reportage aus Äthiopien haben 14 deutsche Tageszeitungen gedruckt.

Die Suche nach dem Heiligen Schrein

Die Suche nach dem Heiligen Schrein

GLOCKENSCHLÄGE WECKEN die Schläfer im Kirchenpark von Axum. An der Kapelle der Heiligen Maria von Zion, die vor einem Hain aus Wacholderbäumen aufragt, fällt das erste Sonnenlicht auf eine Gruppe von Priestern. Im Ornat lehnen sie a… Weiterlesen

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