Wikipedia stream

Die unter dem Dach von Wikimedia zusammengefassten weltweiten Enzyklopädien generieren rund zehn Milliarden Page Impressions pro Monat. Wikipedias Erfolg resultiert aus dem Nutzwert seiner stetig wachsenden, von emsigen Helfern aufgebauten und gepflegten Datenbank des Wissens. So weit, so bekannt. Überlegungen, die aus der hohen Verweildauer auf den Portalen her resultieren, stellt aber bislang kaum jemand an. Dabei liefert die Architektur von Wikipedia, mit ihren formal aufeinander geschachtelten Ebenen wertvolle Erkenntnisse zur Gestaltung neuer Medien, gerade auf dem iPad. Die Möglichkeit, Wissen auf einer untergeordneten Ebene jederzeit erweitern zu können, rührt an Konventionen der Print-Magazingestaltung, welche Designer derzeit gern für grundsätzlich auf das iPad konvertierbar halten. Konsequent zuende gedacht, könnte ein Artikel auf der ersten Ebene aus einem Satz, gar einem Wort bestehen. In diesem an die Prinzipien von TV-Serien angelehnten Modell erzeugen Cliffhanger einen Zwang, jeweils noch eine Ebene tiefer zu gehen. Die Folge ist ein Strom in die Tiefe, ein Wikipedia stream. Nutzer-Kommentare, Facebook-Diskussionen oder Hinweise, die über Twitter kommen, schreiben die Geschichte fort oder liefern den Ausgangspunkt für eine neue.