Brief Coverage

Die klassische Reportage entsteht, indem ein Redakteur und ein Fotograf zusammen losziehen, nah an Menschen aufregende und sinnliche Einblicke gewinnen und diese professionell in Text und Bild einfließen lassen. Auch wenn dieses Arbeitsprinzip irgendwie nach gestern klingt, so ist es meist Garant für einzigartigen, hochqualitativen Journalismus. Warum lesen wir heute dann immer weniger Reportagen? Versetze ich mich in die Chefredakteursrolle, fallen mir diese Sätze ein: „Drei Tage weg? Und wer macht mir das Blatt zu?“ – „Und dann soll ich noch Spesen und Hotelrechnungen bezahlen?“ „Das kann man ja auch anfeaturen“ „Das ist zu lang, dass liest niemand.“ So unverdrossen die klassische Reportage an Journalistenschulen gelehrt wird, so regelmäßig scheitert ihre Anwendung in Redaktionen. Kommen wir den Bedenkenträgern also mit einer Brief Coverage entgegen. Die Reportage vor Ort dauert genau einen Tag. Recherchieren kann man ja im Vorfeld vom Redaktionsschreibtisch aus. So fallen weniger Spesen, und wenn überhaupt nur eine Hotelrechnung an. Naturgemäß begrenzt die Dauer die Eindrucksmenge. Aber das Ergebnis liest sich auch schneller.