Hunger Games

Foto: Studiocanal

Ohne Zweifel gewann Jennifer Lawrence bei den diesjährigen Oscars für die Rolle der Tiffany in “Silver Linings” verdientermaßen den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Ihr überragendes Talent zeigte Lawrence bereits in Gary Ross’ brillanter Dystopie “Die Tribute von Panem – The Hunger Games”. Anlässlich der Preisverleihung erinnere ich gern an diesen Ausnahmefilm, der auf DVD und Blu-ray erhältlich ist. Er rankt um einen postapokalyptischen Nachfolgestaat der USA mit veränderter Küstenlinie, der von einer “Kapitol” genannten Zentrale in den Rocky Mountains aus regiert wird. In Folge eines gescheiterten Aufstands gegen die Hauptstadt finden alljährlich “Hungerspiele” statt, zu denen jeder der zwölf Distrikte ein Mädchen und einen Jungen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren als „Tribut“ stellen muss. In den live im Fernsehen übertragenen Spielen kämpfen die Jugendlichen auf Leben und Tod, um die Provinzen an ihre durch die Rebellion aufgeladene Schuld zu erinnern. In der Veranschaulichung des archaischen Unterdrückungssystems spielt das visuelle Design die entscheidende Rolle. Dem an den aktuellen Casting-Wahn anspielende Gladiatoren-Spektakel geht der glanzvolle Einzug der Kandidaten in die Arena der Hauptstadt voraus. Diese liegt im Zentrum eines Ensembles futuristischer Gebäude, und zitiert Stilelemente der Nürnberger Luitpoldarena und des Circus Maximus. Die ironische Heroisierung der Todgeweihten folgt der Linie, die Paul Verhoeven in “Starship Troopers” (1997) vorgab. Die Panem-Diktatur drillt die Gladiatoren vor den Spielen, gewährt ihnen aber auch Einblicke in das Leben seiner Elite. Dies beginnt bereits in dem Moment, in dem die Protagonisten in einem in blauem Samt, Mahagoni und Chrom-Akzenten schwelgenden Luxusabteil eines Expresszugs transportiert werden. Eine Szene, die unwillkürlich die Salonkutsche in Sergio Leones “Giù la testa” (1971) in Erinnerung ruft, in der Angehörige der mexikanischen Oberklasse von weichen Fauteuils aus die arme Landbevölkerung verhöhnen. Die Macher von “The Hunger Games” trieben bei der Ausgestaltung des Innendesigns einen Aufwand, den wir in dieser Dimension zuletzt bei Stanley Kubrick sahen. Nur ein Beispiel dafür sind die die Suiten der Gladiatoren, die jede für sich die spacige Geschmacklosigkeit moderner Großstadtspießer ironisiert. Inmitten der grellen Möbelkunst aus Art-Déco-Formen, funkelnden Gläsern, Metallic-Lackierungen und kühlen, sich abstoßenden Farben ragen die von Phillips Collection designten, mit Sicherheitsgurten bespannten “Seatbelt Stühle” heraus – der giftgrüne Schein einer schönen Oberfläche, die angesichts der bevorstehenden Brutalität des Überlebenskampfes der Jugendlichen in der Arena zum Hohn wird.