Hobbits bauen klimagerecht

Im Dezember 2012 kommt der erste Teil von Peter Jacksons “Herr der Ringe”-Prequel ins Kino. Tolkiens Romanvorlage, an die sich der Neuseeländer zu halten gedenkt, und im Internet bereits veröffentlichte Trailer lassen Schlüsse auf die Gestaltung des Aulenlandes in “Der Hobbit” zu. Zu erwarten ist eine ausgestaltete Hobbit-Welt, die sich vom Design an “Herr der Ringe – Die Gefährten” anlehnt. Darin gestaltete Jackson eine putzige Wald- und Zwergenwelt, mit Vogelgezwitscher und glücklichem Landvolk. Eine Steinbrücke führt ins Idyll, der Fluss treibt freundlich eine Wassermühle an. Mit ihren grasgedeckten Dächern verschmelzen die Behausungen der Hobbits mit der Natur. Klimagerechtes Bauen also. Wären die Holzhütten nicht so klein und gedrungen, böte sich der Begriff Vertical Agriculture an. Die Horizontal Agriculture des Hobbitdorfes vermag die sich hartnäckig haltende Befürchtung, dass sich Nachhaltigkeit und Ästhetik ausschließen, nicht zu entkräften. Die Funktion des Naturkitsches liegt aber in der Darstellung von Naturverbundenheit, in scharfer Abgrenzung zu Saurons vorindustrieller, am Ende eines langen Sporns des Aschengebirges düster auftrumpfender Festung Barad-dûr. Das Gegensatzpaar Aulenland – Barad-dûr erfährt durch die Minen von Moria einen ergänzenden Nachhaltigkeits-Appell. Da Zwergenvolk dort zu tief nach Gold und Mithril grub, weckte es einen Dämon. Von derlei Verfehlungen einmal abgesehen, stehen die Wohnwelten von Zwergen, Trollen und Hobbits doch spätestens seit “Flash Gordon” traditionell im Einklang mit Natur und Nachhaltigkeit. In der amerikanischen TV-Serie von 1934 lebt das Volk der “Tönernen Menschen” in kühlenden Erdbauten unter Tage. Zwar mit dem Fluch der Hässlichkeit belegt, erfreut es sich dank heilender Heißquellen doch bester Gesundheit, und besitzt überdies eine emissionsfreie Einschienenbahn. Ein Klassiker der frühen Öko-Dystopie – wie das mit üppiger Vegetation überwucherte Washington D.C. in “Logan’s Run” (1976), eine an H.G. Wells “Die Schönheit jener fernen Stadt” angelehnte Metapher. Im Roman lässt Wells das London des Jahren 2500 unter einem Dschungel versinken. Die Folgen der exzessiven Nutzung endlicher Ressourcen, Umweltverschmutzung und Überbevölkerung führte Richard Fleischer am Beispiel New York mit “Soylent Green” (1973) vor. Analog zu Robert Merles Roman “Malevil” lässt sich folgendes sagen: Nach einer großen, möglicherweise atomaren Katastrophe würde die Menschheit mit einem Schlag in Mittelalter zurückversetzt und im besten Fall so ähnlich leben wie die Hobbits bei Peter Jackson. So gesehen, liegt in Darstellungen von Idyllen wie dieser immer auch eine Warnung inne.