Geiler Charakter

erschienen in: Der Spiegel

Sie beten in Kneipen zu Rockmusik: „Jesus Freaks“ nennen sich junge Christen, die Gottes Wort im Szene-Jargon verbreiten.

In ein gewöhnliches Gotteshaus würde Erik nie gehen: „Kirche ist Gesellschaft, und mit Gesellschaft will ich nichts zu tun haben“, sagt der 17jährige, dessen Kopf ein stacheliger Irokesenkamm schmückt. Die harten Gitarrenriffs, die aus der angelehnten Tür des „Jesus Center“ im Hamburger Schanzenviertel schallen, entsprechen mehr Eriks Geschmack. Was sich wie ein Soundcheck vor einem Rockkonzert anhört, ist der Beginn des Freitag-Gottesdienstes der „Jesus Freaks“.

Rund 250 Schüler und Studenten, Punks und Neo-Hippies drängen sich im Café des Jesus Center. Das Licht erlischt, Kerzen werden entzündet, die meisten Menschen machen es sich auf dem Fußboden bequem. Dann tritt ein junger Mann mit dunkelblonder Pferdeschwanzfrisur ans Mikrofon: „Jesus, ich hab’ jetzt totalen Bock, dich zu preisen“, sagt er. „Bitte sei mit uns, damit wir eine tolle Session haben.“

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