Hotel Schimanski

_MG_5586Duisburg-Ruhrort, Neumarkt. Ein frischer Wind geht hier heute, deutlich stärker als an jedem Tag, an dem Frau Poppinga in “Duisburg-Ruhrort” 1981 im Hinterhof Wäsche aufhing. Das Haus der Poppingas am Neumarkt ist abgerissen. Wer aber durch die Gitterstäbe sprüht, kann noch die alten Garagen im Hinterhof entdecken. Zwei Straßenecken weiter, an der Harmoniestraße 45, findet sich mit dem “Ruhrorter Hof” eine weitere historischen Binnenschifferkneipe. In “Der Tausch” (1986) wollten Schimanski, Thanner und Hänschen hier einen Verdächtigen festnehmen, der aber über den Hinterhof türmt. In der Kneipe ist es heute ein bisschen verqualmt. Die Innenszenen entstanden ohnehin nicht hier, sondern im nahen “Hotel Hansa”. Das geschlossene Hotel an der König-Friedrich-Wilhelm-Straße in Ruhrort ist seit 2007 ein echter Tatort. Unbekannte drangen damals in das verriegelte Gebäude ein. Sie randalierten und stahlen ein Schiffsmodell aus Streichhölzern. „Scheiße“

möchte man sagen, und in der Tat ist das geflügelte Schimanski-Wort in der Fürst- Bismarck-Straße um die Ecke zuerst zu hören gewesen, als ein Fernseher aus dem Fenster flog. Heute ist das Hotel Hansa ein trauriger Anblick. Unweit liegt der Friedrichsplatz, an dem einst der Tatort “Gebrochene Blüten” begann und an dem Manni Kleinrahm einst seine Telefonzelle aufstellte, vom der die Erpresser in “Der Tausch” aus anriefen. Schimanski Imbiss ist heute ein Döner-Laden. _MG_5624
Über die Homberger Straße führt sie uns in Richtung des nahen Rheins. Wir machen Halt am Eisenbahnbassin, welches Mitte des 19 Jh. angelegt wurde, um mit Fährschiffen Eisenbahnwagons und Ruhrkohle auf die linke Rheinseite nach Homberg zu trajektieren. Das Bassin, beziehungsweise die kleine Brücke der Dammstraße, bildete mit ihrer industrieromantischen Aura und dem Kraftwerk als Hintergrund die Kulisse diverser “Tatort”-Folgen. In “Hart am Limit” torkelt Schimanski betrunken über die Brücke, und in “Der Fall Schimanski” wacht er mit einer weißen Katze am Brückengeländer auf.

Der Schauplatz von Schimanskis “Tatort”-Abschiedsepisode, in der er wegen einer Verschwörung unter Korruptionsverdacht vom Dienst suspendiert wird und in eigener Sache ermittelt, um seine Unschuld zu beweisen. _MG_5630In “Tödliche Liebe” liegt eine tote Frau am Ufer, und in “Schimanskis Waffe” tuckert ein Boot durchs Eisenbahnbassin. Der Yachthafen von heute hätte damals schlecht ins Bild gepasst. Die komplette Neubebauung mit Wohn- und Bürohäusern unter dem Namen “Waterfront” dürfte den Industriecharme wohl nachhaltiger stören. Die Uhr tickt, aber langsamer. In der Finanzkrise ist der Investor abgesprungen.