Ikonen und ihre endgültige Bedeutungslosigkeit

Banksy, Ikone der Street Art, übernahm nach dem Scheitern des Filmemachers Thierry Guetta an einer Street Art-Doku selbst die Regie und drehte “Exit Through the Gift Shop”. Die Intention einer bloßen Dekonstruktion kommerzieller Kulturmarktmechanismen wird der Vielschichtigkeit und Multivalenz des Films nicht gerecht. Von durchaus tragfähigen Mindfuck-Interpretationen – etwa wie bei Orson Welles in “F wie Fälschung”– mal abgesehen, reflektiert Banksy in “Exit Through the Gift Shop” letztendlich doch, was er durch die vom ihm gepushte Mutation des Ex-Kleiderverkäufers Thierry Guetta vom Filmemacher zum Street Art-Künstler “Mr. Brainwash” anrichtete: “Früher habe ich alle ermutigt, Kunst zu machen. Das mache ich jetzt nicht mehr so oft.”

Diese Einsicht passt zu Banksys Ernüchterung mit seinem Film. Ursprünglich wollte er mit “Exit Through the Gift Shop” etwas schaffen, was dem Einfluss von “Karate Kid” für Martial Arts gleichkommt. Am Ende vergleicht er die Auswirkung von “Exit Through the Gift Shop” mit der Wirkung des Films “Der weiße Hai” auf den Wasserskilauf. Banksy verhöhnt seine Kreatur Guetta, dessen Kunst aussähe wie die von allen anderen. Zu Guettas Ausstellung in Los Angeles strömten 4000 Gäste, er verkaufte Kunst im Wert von über einer Million Dollar. Dazu sagt Banksy: “Auf gewisse Weise ist er der Erbe Andy Warhols. Andy Warhol machte ein Aussage, indem er berühmte Ikonen wiederholte, bis sie bedeutungslos wurden. Doch er war äußerst kultig auf die Art, wie er das tat. Durch Thierry wurden sie dann wirklich bedeutungslos.”

Auch wenn Guetta jegliche Reflektion und hintergründige Ironie abgeht, ist doch alles, was er tat, eine Tautologie Andy Warhols, der 1975 sagte: „Geschäftskunst ist der auf die Kunst folgende Schritt. Ich begann als ein kommerzieller Künstler und ich möchte als Geschäftskünstler enden. Nachdem ich diese Sache, die man Kunst oder so nennt, gemacht hatte, wandte ich mich der Geschäftskunst zu. Ich wollte ein Geschäftskunstmann oder ein Geschäftskünstler sein. Geschäftlicher Erfolg ist die faszinierendste Art der Kunst.“ Banksy kennt diese Mechanismen des Kunstmarktes längst, spätestens, seit Diebe 2007 sein Graffito „Mauerstück mit ballspielender Ratte“ aus der Wand hämmerten und für umgerechnet 30.000 Euro bei Ebay feilboten. Dass Brad Pitt Banksy sammelt, nimmt der Brite zwar zur Kenntnis, belächelt es aber nicht wie etwa der Warhol-Epigone Mark Kostabi, der die Käufer seiner Bild regelmäßig als Idioten beschimpft. Fest steht, dass die seit Jahrhunderten bestehende Symbiose von Geld und Kunst stärker ist denn je. Wie Piroschka Dossi richtig feststellt, wird das Vermögen von amerikanischen Neureichen, europäischen Erben, russischen Oligarchen und neuen Kapitalisten Chinas den Kunstmarkt weiter befeuern. Erfolg oder Misserfolg eines Künstlers entscheiden auch weiterhin die Tastemaker mit sozialen Verbindungen zu Schlüsselfiguren des Kunstsystems. Nur einem Künstler mit Selbstvermarktungsgenie kann es gelingen, als Außenseiter ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Banksy schaffte es 2004, als er das Bild einer Tomatensuppen-Dose von Tesco ins Museum of Modern Art in New York schmuggelte. Dass er nun selbst zum Tastemaker aufgestiegen ist, scheint Banksy eher mulmig zu sein. Wie im Fall von Thierry Guetta.

“Exit Through the Gift Shop” erscheint am 25. Februar auf DVD.