Die Suche nach dem Heiligen Schrein

GLOCKENSCHLÄGE WECKEN die Schläfer im Kirchenpark von Axum. An der Kapelle der Heiligen Maria von Zion, die vor einem Hain aus Wacholderbäumen aufragt, fällt das erste Sonnenlicht auf eine Gruppe von Priestern. Im Ornat lehnen sie auf ihren Gebetsstöcken, der Schlag einer Kebrero-Trommel mischt sich mit dem Rasseln eines Sistrums. Aus dem Dämmerlicht tritt ein bärtiger Priester hervor. Über dem Kopf trägt er eine mit Seidentüchern dick verhüllte Kiste. Wie von Zauberhand geteilt, bahnt die Gruppe der Erwachten der Lade den Weg. Als sei ihr Träger magnetisch, folgen Diakone mit Handkreuzen, dann betende Priester in Seidenroben. Am Torbogen reihen sich Hunderte von Gläubigen in die Prozession ein. Nur neben dem Mann mit der Lade geht niemand. „Nicht zu nahe kommen“, sagt ein Mönch. Angst spiegelt sich in seinen Augen, nicht die Spur von Ärger. Die Lade ist mächtig.

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