Die Ökonomie der vollen Primark-Tüten

PrimarkDavidDevins460 Als ich kürzlich den Primark-Shop am Berliner Alexanderplatz besuchte, kamen mir schon von weitem Menschen entgegen, die bis zu fünf Einkaufstüten mit dem Aufdruck „Primark“ trugen. Drinnen staunte ich dann über Preise, die scheinbar das bis dahin gültige Preisgefüge im Textilhandel unterboten. Es gab hier T-Shirts für 5 Euro, Tops für 1,50 Euro und Jeans für unter 10 Euro. Kurz gesagt: So günstig kauft man sonst nur im Second-Hand-Kleidermarkt. Gleichzeitig schafft es Primark offenbar, als Designermarke wahrgenommen zu werden. Beim Anblick der Massen an Tüten, die da rausgeschafft wurden, stellte ich bei mir zwei Thesen auf:

- Wenn das auch an anderen Standorten so ist, dann muss dieses Unternehmen einen ziemlich guten Umsatz und Gewinn machen

- Wenn das Unternehmen einen ziemlich guten Umsatz und Gewinn macht und gleichzeitig börsennotiert ist, müssten Aktionäre ja davon profitieren.

Im Grunde genommen ist das die ganz einfache Buffett-Nummer. Sehen, was Leute im Alltag kaufen, was erfolgreich ist und dann in das Unternehmen investieren. Offenbar gibt es bei uns immer weniger Leute, die einen so einfachen Gedankenschritt nachvollziehen. Sie stecken ihr Geld in Tagesgeld und ärgern sich über 0,3 Prozent Zinsen. Vielleicht ärgern sie sich sogar, wenn sie bei McDonalds in der Schlange stehen, mal wieder.

Aber zurück zu Primark. Hier ist die Sache etwas komplizierter, denn der Textilverkäufer ist Teil einer Firma, die Associated British Foods heißt. Neben Primark gehören auch der Schokodrink Ovomaltine oder das Pflanzenöl Mazola dazu. Der Anteil von Primark am Umsatz der Gruppe wächst stark.
Ein weiteres Mitglied in meinem Vollen-Türen-Index ist TK Maxx. Der US-Textilhändler unterhielt 2014 bereits 76 Filialen in Deutschland. Auch hier wird gekauft wie blöde, allerdings ist das Prinzip ein etwas anderes. Designermarken laden hier ihren Ramsch ab, etwa Modelle, die sich in edleren Läden schlecht verkauft haben. Da der Drang nach Marken, die man sich unter normalen Umständen nicht leisten könnte, in gewissen Kreise jedoch groß ist, erfreut sich TK Maxx einer großen Beliebtheit. Wer einsteigen will, muss in die TK Maxx-Mutter, das US-Unternehmen TJX Companies investieren.
Hier ein paar beliebte Textilhöker im Bewertungscheck. Fazit: Volle Tüte ist nicht gleich volle Tüte. TK Maxx ist weitaus attraktiver bewertet als Primark.

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