Venezuelas Tourismusminister schimpft über den Pixar-Animationsfilm “Oben”

Während der internationalen Tourismusbörse ITB in der Berlin erhielt ich die Einladung zu einer Pressekonferenz in die Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela in Berlin. Dort hielt Alejandro Fleming, Minister der Volksmacht für Tourismus der Bolivarischen Republik Venezuela eine Pressekonferenz ab, welche sich allerdings als Hintergrundgespräch entpuppte. Als erstes fragte ich den Minister, ob er wisse, dass die im Pixar-Animationsfilm “Oben” gezeigten “Paradiesfälle” eine getreue Kopie der Angels Falls im Dschungel seines Heimatlandes seien. Fleming wusste Bescheid, doch die Sache gefiel ihm nicht.

“Oben” dreht sich um die Geschichte des 78-jährigen Luftballonverkäufers Carl Fredricksen, der seit Kindertagen von einer Reise zu den “Paradiesfällen” im Amazonasgebiet träumt. Fredricksen kommt der Abschiebung ins Altersheim zuvor, indem er sein Haus mit Heliumballons zum Fliegen bringt, und in Begleitung des tölpelhaften Pfadfinderjungen Russell die Fälle wirklich erreicht. Doch das fliegende Haus im Film, so klagte der Minister der Volksmacht für Tourismus der Bolivarischen Republik Venezuela, würde über den Fällen Abfälle abwerfen. Das gehöre sich nicht, denn die Gegend um die Angel Falls sei ein Schutzgebiet, nämlich der Nationalpark Canaima. Fleming sprach vom “Salto Ángel”, was zwar in der spanischen Übersetzung korrekt ist, von der offziellen Sprachregelung der Bolivarischen Republik aber abweicht. Denn Venezuelas Präsedent Hugo Chávez hatte bereits am 21. Dezember 2009 entschieden, dem Salto Ángel wieder seinen ursprünglichen Namen Kerepakupai Merú, zurückzugeben: „Wie könnten wir die Idee anerkennen, dass der Wasserfall von einem Jungen entdeckt wurde, der aus den USA angeflogen kam? Wenn wir das machen, dann tun wir ja so, als hätte dort niemand gelebt. Niemand sollte mehr von Salto Angel sprechen. Das ist unser Wasserfall und es gab ihn, bevor Angel jemals drüberflog.” Carlos Dávila von der Tourismusabteilung der Venezolanischen Botschaft in Berlin sagte damals der “Süddeutschen Zeitung”: „Schon lange bevor der US-Pilot Jimmy Angel den Wasserfall 1937 entdeckte, lebten in der Region Indianer. Die hatten einen eigenen Namen für den Wasserfall, der aber fast verlorenging. Alle nennen ihn heute nach dem Amerikaner Angel. Man muss wissen, dass der Wasserfall und die Tafelberge für die Pemon-Indianer heilig sind. Es könnte also ein Zeichen des Respekts sein, ihm den ursprünglichen Namen zurückzugeben. Bisher ist es nur ein Vorschlag, nichts ist offiziell.“

Ein Zeichen des Respektes könnte allerdings auch sein, den Fall weiter Angel Falls zu nennen. Der amerikanische Flugpionier Jimmie Angel, der die Fälle  am 16. November 1933 überflog und damit wiederentdeckte, starb 1956 in Panama an seinen schweren Verletzungen nach einem Flugunfall. Vier Jahre später kehrten seine Witwe und seine zwei Söhne nach Venezuela zurück, um Jimmie Angels Asche über dem Wasserfall aus dem Flugzeug zu streuen.