Club der Söhne

Universumfilm

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Zeitlebens strickte “Metropolis”-Regisseur Fritz Lang an seiner eigenen Legende. Noch am Tag, als Joseph Goebbels ihm die Leitung des Deutschen Films anbot, bestieg ohne einen Pfennig in der Tasche den Nachtzug nach Paris. Obwohl Lang danach noch etwa drei Monate lang zwischen Berlin, London und Paris pendelte und bei Banken Devisen tauschte, galt der Deutsch-Österreicher seit seiner Flucht im Jahr 1933 als Exilant.  Zurück ließ er Thea von Harbou, von der Lang sich im April 1933 scheiden ließ. Die Schauspielerin und Autorin schrieb das Drehbuch zum Film “Metropolis” und erdachte dessen verhängnisvollen Leitsatz: “Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein.” Die vertikale Herrschaftsarchitekt der Filmstadt Metropolis symbolisiert eine hierarchische Welt. Die Oberschicht vergnügt sich bei Sport und Spiel im “Club der Söhne” und den “Ewigen Gärten”, während die Arbeiter in dumpfer Choreographie ihr Werk in der Dunkelheit der Unterstadt verrichten. Die Erlösung verbindet sich in der Hoffnung auf die baldige Ankunft eines Mittlers, der Hirn (die Oberschicht) und Hände (die Unterschicht) verbindet. Wen Thea von Harbou in der realen Welt für diesen Mittler hielt, desavouierte sie durch ihren NSDAP-Beitritt 1940: Adolf Hitler. In der Rezeption von “Metropolis” stand nach dem Krieg daher auch die Architektur der zweigeteilten Metropole im Film unter Verdacht. Nahmen nicht Erich Kettelhuts pompöse Modelle des “Neuen Turm Babel” die “Große Halle” und die Symmetrie der Fahrbahnen Albert Speers Berliner Nord-Süd-Achse ästhetisch vorweg? Heute heißt es meist: ideologisch bedenkliches Drehbuch, aber tolle Architektur, wegweisend für Filme wie “Minority Report”, “Blade Runner” oder “Alien”. An der Gültigkeit dieses Befunds ändert auch die “fehlende halbe Stunde” von Metropolis nichts, die nach dem Sensationsfund eines 16-mm-Negativs in Buenos Aires wieder Teil der neuen, rekonstruierten Version des Films ist. Das Puzzle der Filmstadt erhielt damit nahezu alle fehlende Teile zurück. Aus Sicht der Filmarchitektur ist gewiss die Szene, in der die Nebenfigur Georgy eine Autofahrt durch Metropolis absolviert, am sehenswertesten. Georgy trägt die Kleidung des Helden Freder, und lässt sich in einem Wagen durch die Stadt in den Vergnügungsklub “Yoshiwara” fahren. Zu sehen gibt es unterwegs nicht viel, aber im Schatten der spektakulären, von New York inspirierten Hochhausbauten wird deutlich, welche Stadt Metropolis auch ist: Berlin.