Berliner Stillleben: Molle, Schickimicki, Memphis

417577_10200655511890180_1947721046_nVor knapp einem Jahr suchten die Verantwortlichen des “BMW Guggenheim Lab”
einen geeigneten Platz für ihr mobiles Forschungslabor, Dort sollten Architekten, Künstler, Wissenschaftler und Designer Ideen für die Stadt der Zukunft entwickeln. Als Standort für das temporäre Gebäude schlug der Berliner Bezirk Pankow
zunächst einen zwischen Oderberger Straße und Schönhauser Allee gelegenen Parkplatz vor. Dieser Standort wurde auch vom Guggenheim Lab favorisiert. Das Guggenheim Lab fand später mit dem Pfefferberg eine andere Heimat. Der Parkplatz blieb, trotz fortschreitender Bauarbeiten an der Kastanienallee, bislang unverändert. Derzeit ist dort, wohl zufällig arrangiert, ein sehenswertes Berliner Stillleben zu betrachten. Vor einer den Berliner Metropolenkitzel symbolisierenden Graffittiwand sind zwei handelsübliche Büromöbel platziert. Die petrolfarbenen Tischbeine zitieren raffiniert die von Ettore Sottsass propagierte Kombination von Erhabenem mit Trivialem, die sich in den Produkten der Möbel-Design-Gruppe “Memphis” widerspiegelte. Der von Gebrauchsspuren gekennzeichnete Bürostuhl wiederum, in seiner monolithischen Wucht dem Tisch abgewendet, drückt ein in Berlin sehr virulentes Unbehagen gegen Einflüsse aus dem Westen aus (“Schickimicki”). Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch eine auffällig platzierte Schnapsflasche (“Molle”).

Ein bemerkenswertes Objekt eines unbekannten Künstlers. Es darf schon jetzt zu den Schlüsselwerken der jungen Berliner Moderne gerechnet werden.