Allzeit gebügelt

erschienen in: Der Spiegel

Die „Liedertafel Margot Honecker“ und der Klassenkämpfer Kurt Euler arbeiten an der Wiederbelebung des Sozialismus – als Pop.

Die Lautsprecher knarzen, die Bürger glotzen verwirrt: Unweit der Hamburger Kneipe „Pickenpack“ werden Zufallspassanten zu Adressaten einer flammenden Rede, die ein Mann mit messerscharf gescheiteltem Haar und Honecker-Brille aus dem Fenster eines Altbaus hält. Gegen das „Natterngezücht der beutegierigen Monokapitalisten“ wettert er, auch sei die „Annexion der DDR“ das Werk der „Bonner Anschlußverbrecher“. Derlei improvisierte Ansprachen gehören zum Repertoire von Dr. Kurt Euler, 31, dem Vorsitzenden des Zentralkomitees der Kommunistischen Einheitspartei Deutschlands (KED). Seine spontane Fensterrede findet an diesem Tag gemischten Anklang: Während einige Studenten klatschen und launig die Internationale anstimmen, empören sich ältere Passanten über das vermeintlich „rote Gesocks“. Protest dieser Art nimmt Euler souverän zur Kenntnis. Sein Motto für die Agitationsarbeit jeder kommunistischen Kaderpartei lautet: „Ein guter Feind eint.“ Aber ist die KED überhaupt ein politischer Verein – oder ein bizarrer Witz?

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